Was erlauben … Erdogan

Recep Tayyip Erdoğan, dieses wegen “Aufstachelung zur Feindschaft auf Grund von Klasse, Rasse, Religion, Sekte oder regionalen Unterschieden” in der Türkei zu Haft verurteilte Männlein regt mich immer mehr auf.

In dem seinem Leben gibt es sehr viele “fragwürdige” Ereignisse. Wie wurde er zum Beispiel Ministerpräsident der Türkei? 2002 gewann “seine” Partei, die AKP, die türkischen Wahlen. Weil er damals aber noch unter der Verurteilung “litt”, dieses umfasste auch ein lebenslanges Politikverbot für Erdogan, missbrauchte seine Partei einfach ihre neue Macht. Zuerst wurde die Gesetzeslage einfach geändert. Im nächsten Schritt wurde das Wahlergebnis in der Siirt für ungültig erklärt. Nach der “Neuwahl” dort und der Gesetzesänderung im Sinne von Erdogan konnte er seinen Parteikollegen Gül im Amt des Ministerpräsidenten der Türkei beerben. Dafür wurde Gül dann auch Außenminister.

In der Epoche des Osmannischen Reiches wurden 1915/1916 bei Massakern und Vernichtungsmärschen zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode gebracht. Die Schätzungen zur Zahl der Armenier schwankt ziemlich. In den 20 Jahren davor wurden bis zu 300.000 Armenier getötet. Mehrere türkische Professoren, Journalisten und Intellektuelle riefen im letzten Jahrzehnt eine Petition namens Özür Diliyorum („Ich entschuldige mich“) ins Leben, die zu einer Entschuldigung für die Massaker ab 1915 aufrief. Erdogans Reaktion darauf war folgende: “Entschuldigung, wofür sollen wir uns entschuldigen? Die Leute, die sich entschuldigen, haben offenbar ein Verbrechen begangen. Dieses Problem hat der türkische Staat nicht. Es gibt nichts, wofür der Staat oder die Regierung sich entschuldigen müsste.” Mal ganz ehrlich, wir Deutschen wissen was Massenvernichtung bedeutet. Aber die erste systematische Massenvernichtung im 20ten Jahrhundert ging von den Türken gegen die Armenier aus. Ich persönlich finde es gut das es in Deutschland mehrere Denkmäler gibt, die an unsere schreckliche Vergangenheit erinnern – damit so etwas nie wieder passieren kann. In der Türkei Erdogans hingegen werden auf Geheiß eben dieses Männchens allerdings Denkmäler abgerissen. Als ein Beispiel nennen ich nur das “Denkmal der Menschlichkeit” (deutsch für: İnsanlık Abidesi) des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy. Diese Mahnmal sollte zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern aufrufen. Auf Erdoğans Anordnung wurde Ende April 2011 mit dem Abriss des Kunstwerks begonnen. Von einer Entschädigung, und sei sie noch so marginal, gegenüber dem armenischen Volk brauchen wir erst gar nicht zu reden.

2013 protestierten viele Menschen friedlich auf dem Taksim Platz in Istanbul. Diese Platz ist praktisch ein kleiner Park mit mehreren Bäumen, Gazim Park. Dort sollte nun ein Einkaufsparadies entstehen und deswegen viele Bäume gefällt werden. Dagegen protestierten viele, insbesondere junge, Türken. Diese Demonstrationen weiteten sich schnell aus – sowohl im Land als auch bezüglich des Protestgrundes. Schnell ging es um die Politik Erdogans ganz allgemein. Und wie reagierte Erdogan darauf? Am frühen Morgen des 31. Mai 2013 riegelten türkische Polizeieinheiten den Platz ab; sie zündeten Zelte kampierender bzw. schlafender Demonstranten an und attackierten sie mit Tränengas und Pfefferspray. “Die türkische Polizei hat bei den Demonstrationen der vergangenen Tage mit ihren Tränengasgewehren direkt auf Menschen gefeuert. Sie haben sie wie scharfe Waffen eingesetzt. Deswegen gibt es so schlimme Verletzungen”, sagte seinerzeit Feyzioglu, seines Zeichens damals Vorsitzender der Anwaltskammer. 44 Rechtsanwälte forderten eine genaue Aufklärung und eventuelle strafrechtliche Verfolgung dieser äußerst brutalen Ausschreitungen von Polizisten gegen die Demonstranten. Statt dessen wurden diese 44 Rechtsanwälte selber verhaftet. “Die Anwälte wollten die blinden Augen und tauben Ohren der Staatsanwalt erreichen” – nun, bei Erdogan bedeutet dies wohl nur das man selber in den Knast kommt. Rechtliche Gründe? Egal, werden notfalls schnell mit neuen Gesetzen geschaffen.

Ich könnte hier noch seitenweise weitere nette Begebenheit über Herrn Erdogan schreiben, aber ich möchte aktuell nur einen weiteren Punkt aufgreifen. Der Punkt, der mich bewegt hat diesen Artikel überhaupt zu schreiben. In der ARD gibt es eine Satiresendung namens Extra 3. Hier bekommen viele Politiker, wie es sich für eine Satiresendung gehört, wie man so schön sagt “ihr Fett weg”. In einer Sendung vor ca. 2 Wochen gab es auch ein Video über Erdogan. Frau Merkel hatte, wie viele andere Politiker auch, auch schon eines dieser Art bekommen. Nur hat Frau Merkel noch nie deswegen einen Redakteur ins Bundeskanzleramt bestellt und zusammengeschissen. Okay, das hat Herr Erdowahn auch noch nie gemacht. Dafür heute aber zum 2 (zwei!) mal dafür den deutschen Botschafter in der Türkei. Er möchte doch, das dieses Video aus dem Internet verschwindet.

Ähnlich wie Erdogan schon Twitter und Facebook gesperrt, verdammt, verteufelt und versucht zu zensieren hat.

ABER mein lieber ErdoKHAN, wir sind hier nicht in der Türkei. Du hast zum Beispiel mir persönlich einen Scheiß zu sagen. Und das finde ich auch gut so. Und damit das Video nicht vielleicht doch aus irgendeinem Erpressungsgrund (ich sag nur syrische Flüchtlinge) von einigen “offiziellen” Seiten verschwindet, war und bin ich mal so frei und poste es selber. Nicht verlinkt, sondern selbst gehostet. Nicht das die verlinkte Seite sonst irgendwann, irgendwie und aus irgendeinen Grund dann mal weg wäre.

Quelle: ARD / NDR / Extra 3

29. März 2016 von Andreas
Kategorien: politik | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

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