Slide to Unlock von Apple erfunden? Aber patentiert!

Heute habe ich gelesen, dass Apple das Patent für „Slide to Unlock“ erhalten hat. Die Patentbehörde der U.S.A., die für ihre teilweise nicht nachvollziehbaren Entscheidungen nicht unbekannt ist, hat Apple die Technik zugesprochen, die so umschrieben wird: „Ein Gerät mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm kann mittels Gesten entsperrt werden, die auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgeführt werden. Das Gerät wird entsperrt, wenn der Kontakt mit dem Bildschirm mit einer vordefinierten Geste übereinstimmt.“ Wobei diese Geste auch ein fest vorgegebener Pfad wie z. B. 3 Punkte nacheinander auf einer 3 mal 3 Matrix treffen oder einfach nur einen bestimmten Punkt auf dem Touchscreen treffen und länger drücken sein kann.
Im Prinzip betrifft es also jedes Touchscreen Handy und liefert Apple weitere Munition für gerichtliche Verfahren gegen Samsung, HTC und Co. Und wenn man an den von Steve Jobs ausgerufenen „thermonuklearen Krieg gegen Android“ denkt, könnte es jetzt, mit dem „Slide to Unlock“ Patent in der Hand, noch schmutziger werden.
Apple wird argumentieren, dass dieses Patent ja auch schon 2005 eingereicht wurde, also schon weit bevor das erste IPhone überhaupt auf den Markt kam und nicht erst jetzt während der andauernden gerichtlichen Auseinandersetzungen.
Müssen Samsung, HTC und all die anderen Handyhersteller jetzt wirklich bangen? Wenn sie vernünftig sind, eigentlich nicht. Denn schon das Neonode N1m aus dem Jahr 2004, hergestellt von der schwedischen Firma Neonode, die es schon seit 2001 gibt, hatte genau so eine Funktion. In dem Video eines amerikanischen Blogs von damals ist dies ab etwa der 4ten Minute sehr schön erklärt.

Und wenn nun die großen Handy-Hersteller Neonode in einem Patentstreit unterstützen, könnten sie eventuell sogar 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nämlich dass Neonode dieses Patent zugesprochen bekommt und die Helfer von Neonode diese „Slide to Unlock“-Technologie sehr günstig bekommen – und Apple dafür richtig zahlen darf. Schließlich haben die ja vorher versucht, und es aktuell auch geschafft, ein Patent für etwas zu bekommen, das sie, mal wieder, gar nicht erfunden hatten. Aber solange das nicht passiert, freut sich Apple und kann sich dem unwissenden Apple-hörigen Volk wieder mal als Technologie-Visionär hinstellen. Und die Konkurrenz verklagen.

26. Oktober 2011 von Andreas
Kategorien: Einkaufen, internet, recht | Schlagwörter: , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Pingback: Motorola stellt Apple ein Bein | worldblogger

  2. Der entscheidende Punkt ist, dass in dem Patent explizit ein Bild erwähnt wird, auf dem bzw. mit dem die Geste durchgeführt wird:
    “The device displays one or more unlock images with respect to which the predefined gesture is to be performed in order to unlock the device. […] may include moving the unlock image […] may also display visual cues of the predefined gesture”
    Das war bei dem Gerät (zumindest laut dem Video) nicht der Fall.

    Apple weiß schon was sie tun:
    Sie schauen sich bestehende nicht patentierte Techniken an und schauen was sie daran verändern oder ergänzen können um diese patentieren zu können. Eben Patent-Trolling auf dem nächsten Level und das auch noch legal.

    • Hallo Sebastian,
      da muss ich Dir leider Recht geben. Ob das Ganze am Ende wirklich legal ist, das wird man abwarten müssen. Die Technik war ja allgemein bekannt, nicht nur aufgrund dieses Videos. Neonode kann, weil sie kein Patent drauf haben, zwar keine Lizenzgebühren verlangen, aber ob Apple dieses Patent auf dauer behält, ich glaubs eher nicht. Wenigstens nicht in Europa. In Amerika müssen sie nur sagen “Wir sind gute Amerikaner und Samsung sind an Pearl Harbor Schuld”. Die (Apple) werden sich schon ein Gericht suchten bei dem so eine Argumentation reicht…

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