Schmidt, Steinbrück und Jauch

Was war denn das gestern Abend im Ersten? Die Sendung selber hieß reißerisch „Wer kann uns aus der Krise führen?“ und mit der Auswahl der Studiogäste war eigentlich schon vorher klar um was es wirklich ging: eine Beweihräucherung von Herrn Steinbrück.
Und es ist nicht dumm, was Peer Steinbrück da aktuell so anstellt. Er selber hält sich vornehm zurück, er wolle sich nicht zum Thema Kanzlerkandidatur äußern, bis Parteichef Sigmar Gabriel ihn selber fragen würde. Nur unterlässt Herr Steinbrück auch nichts, und zwar wirklich absolut nichts, was ihn auch nur ein bisschen näher an dieses Ziel bringt.
Und so wird Altkanzler Helmut Schmidt benutzt, wie es nur geht – und er lässt sich auch gerne benutzen. Egal ob im Spiegel-Interview mit Äußerungen wie „Er kann es, Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann“ oder gestern Abend in der Günther Jauch Sendung, in der Schmidt auf die Äußerung, dass Peer Steinbrück ja noch nie eine Wahl gewonnen habe, meint „Ich hatte auch noch keine Wahl gewonnen, als ich Kanzler wurde“.  Was zwar stimmt, aber  gleichzeitig auch nichts über die Kanzler-Qualität eines Peer Steinbrück aussagt.
Angeblich sind die 2 Herren Schmidt und Steinbrück ja nur auf einer Werbetour für ihr gemeinsames Buch. Nur warum wird der beliebteste Politiker der Nachkriegszeit dann nicht müde den Anderen, Peer Steinbrück, immer und immer wieder über den goldenen Klee zu loben und als Kanzlerkandidaten seiner Partei, der SPD, zu empfehlen. Gerade der Partei, die immer so wenig auf Helmut Schmidt gehört hat. Schmidt, der seinerzeit so sehr auf den NATO-Doppelbeschluss drängte und doch nur, inklusive seiner eigenen, 14 Stimmen von rund 400 Delegierten des Kölner SPD-Parteitages vom 18. und 19. November 1983. Schmidt, der vor allem als Kanzler der Bundesrepublik abgewählt wurde, weil die Regierung unter ihm so einen schlechten Bundeshaushalt hinlegte, die öffentliche Verschuldung in unbekannte Höhen brachte – an deren Folgen wir heute noch zu zahlen haben. Die Regierungen Brandt und Schmidt waren es schließlich, die anfingen mehr Geld auszugeben, als ihnen zur Verfügung stand, nur um ein paar Wählergruppen ihnen gnädig zu stimmen. Der riesengroße Fehler der Staatsverschuldung wurde von Helmut Schmidt in eine Größenordnung gebracht, über die er fiel – weil es irgendwann der FDP einfach zu viele Schulden wurden. Und dieser Altkanzler lobt jetzt Peer Steinbrück vor allem wegen seiner Finanzminister-Vergangenheit mit Worten wie „Er ist einer von denen, die wirklich wissen, worüber sie reden.“
Nur was redet Peer Steinbrück eigentlich? „Die bisherige Krisenstrategie entpuppt sich zunehmend als erfolglos.“ Ja, schön hat er das gesagt, klingt mindestens genauso gut wie „Es fehlt ein umfassender Ansatz, um diese europäische Währungsunion zu verteidigen“. Das klingt natürlich erst mal alles sehr schön und richtig erfasst. Leider fehlt aber ein eigenes Konzept. Irgendeine Idee, wie man es anders machen könnte – von besser braucht man noch nicht einmal zu träumen. Und das ist dann auch das Dilemma des Herrn Steinbrück: Er kann sehr höflich meckern, noch sehr viel besser als Steinmeier, aber eigene Inhalte hat man von ihm auch noch nicht gehört. Nur viel Lob von Helmut Schmidt. Schade, Helmut Schmidt, so kann man seinen, in extrem vielen Punkten nicht zu Unrecht, sehr guten Ruf auch verspielen.
Und da war doch noch der Herr Günther Jauch. Oder auch nicht… Ich bin wirklich gespannt, wie lange die ARD solche Werbeveranstaltungen machen lässt – oder war man einfach so froh, Herrn Schmidt mal wieder aufm Schirm zu haben?

24. Oktober 2011 von Andreas
Kategorien: politik | Schlagwörter: , , | 1 Kommentar

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