Amazon verärgert Aktionäre – wirklich? – worldblogger

Amazon verärgert Aktionäre – wirklich?

By James Duncan Davidson aus Portland, USA (Flickr) CC-BY-2.0 (www.creativecommons.org/ licenses/by/2.0) or CC-BY-2.0 (www.creativecommons.org/ licenses/by/2.0), via Wikimedia Commons

Die Amazon-Aktie hat heute im normalen Handel 4 Prozent verloren. Im nachbörslichen Handel sank der Kurs noch mal um 14 Prozent. Was war passiert? Ist Jeff Bezos, Konzernchef und Gründer von Amazon, etwa gestorben? Nein, ganz im Gegenteil. Amazon will wachsen. Unbedingt. Und wie jeder kleine Kaufmann weiß: Will ich wachsen, muss ich Geld investieren. Jeff Bezos will stark wachsen – also muss auch sehr, sehr viel Geld investiert werden.

Für viele Aktionäre von Amazon war die Nachricht, dass der Gewinn um 73 Prozent zurück ging auf „nur“ noch 63 Millionen Dollar im dritten Quartal 2011, schon sehr schlimm. Dass im Weihnachtsquartal aber im extremsten Fall sogar ein operatives Minus von 200 Millionen Dollar entstehen könnte, sorgte schon fast zu panischen Verkäufen.
Dass der Gesamtumsatz deutlich stieg, nämlich um 44 Prozent auf 10,88 Milliarden Dollar, war dann auch nicht genug, von irgendwem wurden irgendwie 10,95 Milliarden Dollar erwartet. Ja, das sind wirklich schlechte Zahlen und rechtfertigen ein sofortigen Verkauf von Amazon-Aktien um jeden Preis. Jeff Bezos hat einfach Mist gebaut.
Hat er das wirklich? Ehrlich gesagt, ich glaube nicht. Zum Einen hat Amazon erfolgreich seinen weltweiten Platz Nummer Eins im Online-Handel verteidigt, und das, obwohl ebay vor allem Dank seines Online-Bezahldienstes paypal wirklich ordentliche Zuwächse hinlegte. Aber halt nur 32 Prozent und nicht wie Amazon 44 Prozent. Die Marktführerschaft wurde also nicht nur verteidigt, sondern sogar noch weiter ausgebaut.
Und dann überlegen wir mal, für was diese riesigen Investitionen aufgebracht werden. Zum Einen wird der Kindle in mehr Ländern vermarktet. Was er in den U.S.A. geschafft hat, wissen wir alle: Die zweitgrößte Buchhandelskette ging pleite. Amazon verkauft in Amerika heute mehr Bücher als je zuvor – aber noch mehr E-Books für seinen Kindle. Und an den E-Books verdient Amazon deutlich mehr als an einem gedruckten Werk. Man muss kein Wahrsager sein um zu sehen, dass ähnliches auch in Deutschland und anderen Ländern passieren wird, wenn auch nicht so schnell wie in Amerika. Aber auch wenn z. B. gerade in Deutschland andere Händler wie z. B. Weltbild auch mit extrem günstigen E-Readern versuchen gegen Amazon Position zu beziehen – auch bei uns ist Amazon die Nummer Eins und das mit immer größerem Abstand zur Konkurrenz.
Dann Kindle Fire – ein Tablet PC mit direkter Amazon-Shop Anbindung. Wahrscheinlich nicht zu Unrecht hochgelobt und als erste echte Apple-Konkurrenz gefeiert. Und das, obwohl der Kindle Fire von Amazon technisch dem Apple IPad nicht annähernd das Wasser reichen kann. Und dennoch braucht man kein Hellseher zu sein um heute schon sagen zu können, dass der Fire sehr schnell extrem hohe Verkaufszahlen weltweit haben wird.
Und dann wird mit Inhalten Geld verdient. Und das kann Amazon. Siehe U.S.A. und Kindle. Natürlich hat dies Amazon nicht erfunden, man braucht sich nur die Druckerhersteller anschauen, bei denen ein Drucker mit Tintenpatrone oder kleinem Toner oft schon günstiger ist als eine Ersatztintenpatrone oder ein regulärer Toner alleine.
Auch für diese Inhalte investiert Amazon. Sei es in Online-Videotheken, für Deutschland sei da nur Lovefilm genannt, oder in Verträge mit der Musik-Industrie. Denn was Apple als Computerhersteller mit ITunes kann und vorgemacht hat – das kann ein Verkäufer wie Amazon schon lange. Und Amazon muss da nicht erst mühsam eine Marktposition aufbauen – sie sind ja schon lange die Nummer Eins.
Also vielleicht doch nicht so dumm von Jeff Bezos aktuell auf viel Geld zu verzichten, viel Geld zu investieren – um später noch mehr Geld zu machen. Das ist ja auch der Sinn von Investitionen. Und bei Amazon stehen eigentlich alle Zeichen auf Spiel, Satz und Sieg. Warum wird also aktuell so extrem verkauft? Meine Meinung: Weil es bei den Aktionären genauso viele Deppen gibt wie überall anders auch. Und auch wenn Aktien eine Investition in die Zukunft sein sollen – viele kapieren das einfach nicht oder wollen nur auf die ganz schnelle Art und Weise viel Geld verdienen. Spielt lieber Lotto. Alle Vernünftigen freuen sich, gibt es doch dadurch im Moment relativ günstig Aktien von einer Firma, die in relativ kurzer Zeit noch sehr viel mehr verdienen wird.

26. Oktober 2011 von Andreas
Kategorien: Einkaufen, internet | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

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