Klage gegen Tagesschau-App

Die WAZ Mediengruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung, Westfalenpost, Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung, Thüringische Landeszeitung und mehr), der Axel Springer Verlag (Bild, Die Welt, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, B.Z. und mehr), die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Medienholding Nord, die Verlage M. DuMont Schauberg (Berliner Kurier, Berliner Zeitung, Express, Frankfurter Rundschau, Hamburger Morgenpost und mehr) und Lensing-Wolff (Ruhr Nachrichten, Münstersche Zeitung und mehr) sowie die Rheinische Post haben seit heute etwas gemeinsam. Nein, nicht, dass sie alle Tageszeitungen auf den Markt werfen – das machen die schon länger. Nein, sie verklagen die Tagesschau. Genauer gesagt stört es sie, dass es von der Tagesschau eine kostenlose App fürs IPhone gibt. Und was genau ist an dieser App angeblich auszusetzen? Laut diesen Verlagen macht diese App den Markt für die Verlage kaputt – weil die Tagesschau App nicht nur Videos, sondern auch Textbeiträge hat. Und Textbeiträge machen ja auch diese Zeitungsverlage. Nur die verschenken ihre Apps nicht, die wollen sie verkaufen. Und da stört halt eine kostenlose Konkurrenz. Eine Konkurrenz?

Mal ganz ehrlich: Wer ist so dumm und glaubt wirklich, dass, wenn jemand nicht mehr kostenlos mit einer App auf die Tagesschau gehen kann, dass er dann auf eine Bild-App für 79 Cent zurückgreift, für ein Monatsabo 1,59 € zahlt und sich dann in die Reihe der Kommentare wie „Monatsabo nach 3 Stunden abgelaufen“, „gleich nach dem ersten Start war das Monats Abo abgelaufen“, „Ohne Abo app nutzlos“ etc. einreihen darf. Mal ganz davon abgesehen, dass jemand, der die Tagesschau nicht bekommt, wohl eher nicht als Alternative die Bild-Zeitung nehmen wird.

Also was soll der Scheiß? Warum verklagen die wirklich die Tagesschau? Achja, macht den Markt kaputt… die Verlage können kaum Werbeplätze verkaufen… Was soll so eine blöde Aussage? Zum Einen nimmt die ARD mit ihren Webseiten und ihrer App niemandem einen Werbeplatz weg – denn die öffentlich rechtlichen Anbieter dürfen gar keine Werbung im Internet auf ihren Seiten haben. Also auch nicht in der App. Und wenn man sich dann noch anschaut, dass z.B. der Springer Verlag mit seinen Onlineangeboten letztes Jahr 202 Millionen Euro Umsatz machte und den Gewinn dort um 26% steigern konnte (im inländischen Zeitungsmarkt ging der Gewinn um 20% zurück, Umsatz 280 Millionen Euro), dann stimmt doch irgendwas in der Argumentationskette der Verlage nicht.

Kann es nicht viel eher sein, dass einfach nur „Meinung“ gemacht werden soll? Oh, wir armen, armen Zeitungen… wir machen ja soo guten Journalismus, aber der kostenlose Schund von ARD und ZDF kostet uns die Existenz. Was ein Blödsinn. Meiner Meinung nach sollten diese Verlage lieber schauen, dass sie ein vernünftiges Angebot auf die Beine stellen, fehlerfreie Apps anbieten und nicht wochenlang darüber berichten, welcher DSDS-Pseudo-Superstar mit welchem Big-Brother-Häftling nicht ins Bett geht, anstatt einen Anbieter, der vernünftige, seriöse Berichte bringt, zu verklagen. Vor allem dann nicht, wenn der Zeitungsblödsinn ewig im Netz bleiben darf und ein ARD/ZDF-Nachrichten Beitrag nur eine Woche…

23. Juni 2011 von Andreas
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